Die Weissen Busse

Alle Fahrzeuge müssen weiß angemalt sein und das rote Kreuz tragen!!!

Dies war der Anfang einer in der Geschichte des zweiten Weltkrieges einmaligen Rettungsaktion.Graf Folke Bernadotte

Es war Mitte Februar 1945, als Graf Folke Bernadotte als Vizepräsident des schwedischen roten Kreuzes zu ersten Verhandlungen über die Unterstützung skandinavischer Häftlinge nach Deutschland reiste. Hilfreich bei seinen Bemühungen war, dass er seine Verhandlungen in einem absolut akzentfreiem deutsch führen konnte. Als Gesprächspartner auf deutscher Seite musste eine Person gefunden werden, die einerseits genug Kompetenzen hatte um Entscheidungen zu treffen und andererseits auch zu Verhandlungen bereit zu sein schien.

Dies mag unglaublich klingen, aber diese Person auf deutscher Seite war mit SS-Reichsführer Heinrich Himmler gefunden. Hiefür gab es zwei Gründe:

  1. Himmler war seit dem Sommer 1944 klar, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Aus diesem Grund plante er - gegen Hitlers Willen - auf eigene Faust einen Separatfrieden mit den Westmächten.
  2. Sollte er sich persönlich einsetzen für die von Bernadotte angestrebten Ziele, so würde sich dieser im Gegenzug eventuell für ihn einsetzen um die Tür zu den Briten zu öffnen.Ein weißer Bus im Frøslev-Museum (Dänemark)

Wenn Himmler auch ablehnte, die skandinavischen Gefangenen aus Deutschland heraus zu bringen, so stimmte er dennoch dem Vorschlag zu, die Gefangenen an einem Punkt in Deutschland zu vereinigen und einer Versorgung durch das Schwedische Rote Kreuz zu unterziehen. Zwei Bedingungen knüpfte Himmler an seine Zusage. Erstens sollte das Vorhaben unter strengster Geheinhaltung erfolgen und zweitens sollten die Transporte unter schwedischer Regie mit eigenen Fahrzeugen realisiert werden, da Deutschland aufgrund des Krieges nicht mehr über die notwendigen Fahrzeuge und das benötigte Benzin verfügte.

Da aber auch das schwedische Rote Kreuz nicht genügend Mittel aufbringen konnte, wurde es durch die Regierung Schwedens mit Fahrzeugen ausgestattet. Und so wurde anfang März 1945 der erste Hilfskonvoi in Malmö zusammengestellt. Noch auf der Überfahrt nach Kopenhagen wurden die Transporter weiß  übermalt und mit dem roten Kreuz versehen. Bis Ende März haben die weissen Busse etwa die Hälfte aller skandinavischen Flüchtlinge aus allen Teilen Deutschlands in das Lager Neuengamme bei Hamburg gebracht. Weiße Busse des Schwedischen Roten Kreuzes 1945, vermutlich in der Nähe ihres Feldlagers in Friedrichsruh

Hier erreichte Bernadotte in seiner dritten Verhandlungsrunde, dass ein Teil der kranken Skandinavier nach Schweden gebracht werden durfte. Nur 10 Tage später überschlugen sich die Ereignisse. Aus Himmlers Hauptquartier traf der Befehl ein, dass bis 21. April sämtliche Häftlinge aus dem Lager Neuengamme nach Schweden ausreisen sollten. Innerhalb eines Tages musste nun der Transport von weiteren 4200 Häftlingen organisiert werden. Mit Hilfe der dänischen Regierung, welche zusätzliche 124 Fahrzeuge stellte, konnte bis eine halbe Stunde vor Ablauf der durch die SS gestellten Frist das Lager geräumt werden.

Bei seinen Verhandlungen am 21. April mit Deutschland brachen dann alle Dämme. Himmler gestattete Bernadotte, alle Frauen aus dem KZ Ravensbrück nach Schweden zu bringen. Da die Front immer näher rückte gelang es dem Schwedischen Roten Kreuz zur Unterstützung einen Güterzug zu organisieren. Auf diese Weise gelang es Bernadotte innerhalb der letzten Kriegstage fast 7000 Frauen aus allen Teilen Europas das Leben zu retten.

Insgesamt 15.000 Menschen konnten in den Monaten März und April vor dem sicheren Tod gerettet werden. Nach dem Kriegsende wurden diese Transporte noch fortgesetzt so, dass weitere 10.000Menschen zurück nach Schweden gebracht werden konnten.

In Deutschland weitgehend unbekannt werden die Weissen Busse insbesondere in Dänemark und Norwegen noch heute als eine der größten humanitären Rettungsaktionen verstanden.

Zeichen dieser Hochachtung ist die Aufarbeitung des Nationalsozialismus durch norwegische Schülergruppen, welche so oft es nur möglich ist in Begleitung von Zeitzeugen verschiedene Gedenkstätten in Deutschland besuchen. Insbesondere die beiden norwegischen Unternehmen “Hvite Busser” und “Aktive Fredreiser” haben es sich zum Ziel gemacht, die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

[Home] [Startseite] [Geschichte] [Unser Haus] [Leistungen] [News] [Ihre Meinung] [Kontakt] [Impressum] [Gasthaus Templiner Hof in Fürstenberg/Havel]